5. TAG – Ammassalik Fjord, Ostgrönland
Am frühen Morgen, wo die meisten noch schlafen, verlässt die «Le Commandant Charcot»Tasiilaq und wir steuern in den nahegelegenen Ammassalik Fjord. Beim Fahren durchs Packeis, rumpelt es wieder und ich erwache. Zeit aufzustehen!
Die Sonne scheint erneut – was für ein Glück wir auch haben! Ein einmaliges Bergpanorama umfasst die noch zugefrorenen Fjorde, leichter Nebel bildet sich. Was für eine mystische Stimmung! Das umfangreiche Frühstück schmeckt noch besser.
Heute bin ich eingetragen, um am Polar-Hike mitzumachen. Das ist eine ca. 3-stündige Wanderung mit Guide. Hierzu musste man sich einschreiben und gleichzeitig bestätigen, dass man auch zu Hause anstrengendere Wanderungen gewohnt ist. Die Tour hat also nichts mit Spaziergang zu tun. Meine Wandergruppe startete heute als Erste. Um 9 Uhr gings los. Ein paar Fragezeichen hatte ich schon, als wir im Nebel losgelaufen sind. Die Chance, einen uns näherkommenden Eisbären frühzeitig zu entdecken, schien mir nicht wirklich gegeben… Allerdings waren die Bärenwächter in Position rund ums Schiff. In Einerkolonne marschierten wir auf dem gefrorenen Fjord los in Richtung Ufer. Es lag Schnee auf dem Eis und von daher kamen wir gut vorwärts. Etwas Achtsamkeit war beim Übergang an Land gefordert, weil dort 2 Eisschichten aufeinandertreffen, und es durch die Reibungen etwas unstabil sein kann.
Sobald wir an Land waren, haben wir den Nebel hinter uns gelassen und auch die kühle Luft war wie weggeblasen. Es ging nun bergaufwärts und wir konnten eine Schicht Pullover im Rucksack verstauen. Ein Blick zurück zum Schiff – wo nur die Konturen im Nebel erahnen liessen, dass dort ein Schiff liegt. Herrliche Ausblicke, je höher wir kamen. Zwischendurch sichteten wir Schneehühner. Wir waren zügig unterwegs, es gab auch Stellen, wo wir beide Hände einsetzen mussten, und es war definitiv von Vorteil, dass ich meine Wanderstöcke dabei hatte. (Eine kleine Anzahl können an Bord ausgeliehen werden, wir empfehlen, die eigenen mitzunehmen). Schlussendlich waren wir nach 4,5 Std zurück am Schiff und waren froh, dass die Küche für uns etwas länger offenblieb. Hungrig waren wir auf jeden Fall. Nachmittags waren andere Gruppen auf Spaziergang oder Wanderung. Ich habe die Gelegenheit genutzt, eine Runde um das elegante Schiff zu drehen, und die «Le Commandant Charcot» mit ihrem aussergewöhnlichen Rumpf aus verschiedenen Blickwinkeln zu fotografieren.